Kommentar zu Steve Jobs‘ CEO-Abtritt

Letzte Nacht deutscher Zeit ist etwas geschehen, was schon seit einiger Zeit abzusehen war — und doch niemand so recht wahrhaben wollte: Steve Jobs gab seinen Chefposten bei Apple ab. Das Ende für Apple? Sicherlich nicht.

„Der König ist tot, es lebe der König“ — dieser Spruch wurde vor einer langen Zeit in Frankreich verwendet, wenn der Tod des bisherigen Königs bekanntgeben wurde und dieser somit den Thron frei gemacht hat für seinen Nachfolger, für den neuen König.

Diese Zeiten sind nun schon lange vorbei, und von Tod kann in Fall von Apple und Steve Jobs (Gott sei Dank) keineswegs die Rede sein. (Anm. d. Red. im Dezember 2011: Leider ist Steve Jobs gut einem Monat nach Publizierung dieses Artikels verstorben. Bitte beachtet, dass dieser Artikel dies nicht berücksichtigt.)

Und doch passt diese Heroldsformel sehr gut zu dem, was vergangene Nacht der Apple Inc. widerfahren ist: Steve Jobs hat seinen Chefsessel (in diesem Sinne den Thron der modernen Zeit) für Tim Cook freigemacht. Cook ist kein Unbekannter, bereits seit 13 Jahren bei Apple tätig und weiß daher sicher durchaus, wie der Hase läuft. Oder besser: Wie er zu laufen hat.

Ohne Frage hat Steve Jobs Apple zu dem gemacht, was es heute ist. Jobs hat Apple maßgeblich geprägt — aber Jobs ist nicht Apple, auch wenn es immer wieder zu dieser Behauptung kommt. Hinter Apple steckt ein Team, welches Steve Jobs entsprechend geprägt haben wird.

Der ehemaliger Apple-CEO war und ist nicht so paranoid, für den Rest des Apple-Daseins auf seinen Chefposten zu beharren: Man kann sicher davon ausgehen, dass Steve Jobs damit gerechnet hat, seinen (bisherigen) Platz bei Apple — aus welchen Gründen auch immer — räumen zu müssen, räumen zu wollen.

Zu den Zeiten, als in Frankreich Könige das Sagen hatten, wurde kontinuierlich darauf zugearbeitet, das eigene Reich in einem Zustand zu hinterlassen, der als würdig erscheint — um vorbereitet zu sein, wenn der Tag gekommen sein soll. Der königliche Nachfolger hatte es trotz diesen gemachten Nestes verständlicherweise nicht einfach: Den Wohlstand weiterzutragen und den, wie man heute sagen würde, Spirit am Leben zu halten — das war wahrlich keine leichte Aufgabe.

Aber dazu war der König nun einmal ein König.

Cook ist der Nachfolger von Jobs. Im Gegensatz zu den längst vergangenen Zeiten des französischen Königreiches darf bei Apple der neue König auf die Beratungskraft seines Vorgängers hoffen — ein Privileg, welches Tim Cook sicher zu schätzen wissen wird. Genau wie Steve Jobs auch, welcher weiterhin bei Apple mitmischen wird.

Patrick Scheips

Patrick Scheips, Jahrgang 1990, Gründer dieser Webseite, ist ausgebildeter Fachinformatiker in der Fachrichtung Anwendungsentwicklung, studiert derzeit Kognitive Informatik an der Uni Bielefeld und sucht sich seit gut sieben Jahren seine Wege durchs Netz. Die Bezeichnung (s)einer Person als "Computer- und Internetjunkie" sieht er durchweg positiv. Seit 2005 ist Patrick bekennender und überzeugter Mac-User und in einigen Aspekten wohl jemand, den man als Apple-Fanboy bezeichnen würde.

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2 Responses

  1. macwoern sagt:

    … ehrlichgesagt würde ich mir mehr Sorgen machen, wenn Jonathan Ive Apple verlassen würde!!!

  2. Stimmt, macwoern, das wäre in der Tat ein großer Verlust für Apple.

    Allerdings erfreut sich Jonathan Ive, soweit öffentlich bekannt, bester Gesundheit und scheint offenkundig mit seiner Position bei Apple auch zufrieden zu sein.

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