TV-Anstand

Bereits einige Male habe ich hier auf Wege durchs Netz Kritik an der Fernsehlandschaft, insbesondere an den privaten Sendeanstalten geübt. Am gestrigen Samstag wurde diese durch ein trauriges Ereignis bestätigt: In der ZDF-Show Wetten, dass ..? ereignete sich ein Unfall während einer Wettdurchführung.

Am 4. Dezember geschah in der letzten Wetten, dass ..?-Ausgabe diesen Jahres erstmals seit dem fast 30-jährigen Bestehen der Show ein großer Unfall, bei dem ein Wettkandidat schwere Verletzungen von sich trug. Diesem sei alles Gute und eine schnelle, vollständige Genesung gewünscht. Inhalt dieses Artikels soll jedoch weniger der Unfall als solcher sondern vielmehr die Reaktion des ZDF und Thomas Gottschalks sein.

Denn diese wahr sicherlich sehr vorbildlich: Direkt nach dem Unglück zögerte die ZDF-Regie nicht lange und zeigte den Fernsehzuschauern Bilder fernab des Unfallortes. Unmittelbar nach dem Unglück wurden die Kameras auf das Publikum gerichtet, während im Hintergrund Thomas Gottschalk und Michelle Hunziker zu hören waren. Nach wenigen Minuten wurde die Show unterbrochen und ein Notband eingespielt. Dieses wurde nach etwa 30 Minuten für ein Statement von Thomas Gottschalk unterbrochen, in welchem er den Abbruch der gesamten Show ankündigte. Und das war wohl eine wahre Sternstunde des deutschen Fernsehens.

Insbesondere einschlägige Privatsender wie RTL hätten hier sicher anders gehandelt. Wer weiß, wohlmöglich hätte man hier die Sendung nicht nur fortgesetzt, sondern das Opfer auch noch während der Erstbehandlung gezeigt und dessen Genesungsprozess medial aufbereitet?

Dem Zweiten Deutschen Fernsehen sei an dieser Stelle also großen Respekt zu zollen. Hier alleinig zum Wohle des Opfers zu entscheiden, ist das einzig Richtige. Gottschalk und die ZDF-Redaktion vor Ort haben her Größe bewiesen.

Das ist Anstand, wie man ihn sich wünscht. Abzuwarten bleibt, welche Konsequenten aus den Show-Unfall gezogen werden. Wetten, dass ..? abzusetzen wäre komplett falsch und auf diese Idee wird das ZDF auch sicher nicht kommen. Thomas Gottschalk hat absolut vorbildlich gehandelt und sollte die Hände nicht von dieser Show lassen oder gar weggerissen werden.

Patrick Scheips

Patrick Scheips, Jahrgang 1990, Gründer dieser Webseite, ist ausgebildeter Fachinformatiker in der Fachrichtung Anwendungsentwicklung, studiert derzeit Kognitive Informatik an der Uni Bielefeld und sucht sich seit gut sieben Jahren seine Wege durchs Netz. Die Bezeichnung (s)einer Person als "Computer- und Internetjunkie" sieht er durchweg positiv. Seit 2005 ist Patrick bekennender und überzeugter Mac-User und in einigen Aspekten wohl jemand, den man als Apple-Fanboy bezeichnen würde.

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