Wenn Webprojekte sterben

Fünf Jahre sind eine halbe Ewigkeit. Zumindest im Internet. Täglich erblicken zahllose neue Webprojekte das Licht der Netzwelt — und ebenso viele sehen es das letzte Mal, bevor sie für tot erklärt werden. Webprojekte gehen dabei selten ohne eine langwierige Vorankündigung. Im schlechtesten Fall ist die entsprechende Webseite einfach nicht mehr erreichbar, die Domain gekündigt.

Ins Leben gerufen wurde das für diesen Bereich exemplarisch herhaltende fiktive Webprojekt vor fünf Jahren, Anfang 2005. Eine anfangs kleine, feine Community mit einem Blog und einem Newsbereich. Thematisch ein weites Spektrum erfassend, wurden binnen weniger Monate hunderte, tausende Besucher Mitglied dieser Community und verbrachten täglich einige Zeit in dieser, lasen den Blog und reichten Newsvorschläge ein.

Schnell war den Gründern klar, dass ihr einst kleines Projekt riesige Ausmaße genommen hat. Neue Server wurden gemietet, weitere ehrenamtliche Mitarbeiter wurden angeheuert. Vereint hat sie ihr Interesse, die Community war freundlich, hilfsbereit und aktiv bei der Sache. Über die Monate und Jahre hinweg wuchs die Community stetig und erfreute sich einem großen Bekanntheitsgrad. Später wurden die Serverkosten über ein Sponsoring und Spenden der Community-Mitglieder finanziert.

Mitte 2009. In vier Jahren ist so einiges passiert. Ein Betreiber, einer der Gründer des fiktiven Webprojektes, hat sich in der Zwischenzeit komplett verabschiedet. Auch bei den ehrenamtlichen Mitarbeitern gab es ein Kommen und Gehen, was sicher auch in der Natur der Sache liegt. Doch auch das aktuelle Team, angeführt vom übrig gebliebenen Gründer, ist intern von Konflikten geprägt. Die einen haben keine Zeit, die anderen keine Lust und andere wiederum inzwischen ganz andere Sorgen und Probleme. So langsam bröckelt der Kern des erfolgreichen Webprojektes.

Anfang 2010. Da, wo einst der Kern bröckelte, wackelt nun bereits die Fassade. Das Team ist auf drei Personen geschrumpft, inklusive Gründer. Der hat inzwischen allerdings die Lust an diesem Projekt verloren und sich hobbytechnisch anders orientiert. Er reißt die Fassade ein und verkündet das Ende des Erfolgprojektes. Er nimmt Abschied von seinem Team und von der, von seiner Community. Noch ein paar Wochen aktiv, stehen Community und Newsbereich anschließend nur noch als Archiv zur Verfügung. Die Community muss sich ein neues Plätzchen zum Meinungsaustausch suchen, der Blog bleibt und wird vom Betreiber weiterhin geführt. Weniger, weil er dafür noch genügend Motivation aufweisen kann, sondern vielmehr als Andenken. Als sein persönliches Andenken.

Doch das Webprojekt selbst ist gestorben. Es ist tot. Fünf Jahre sind eben eine lange Zeit, zumindest im Netz. In der Zwischenzeit sind allerdings schon hunderte neue Projekte entstanden — und hunderte von ihnen wurden wieder eingestampft. So sieht’s aus im  Internet.

Patrick Scheips

Patrick Scheips, Jahrgang 1990, Gründer dieser Webseite, ist ausgebildeter Fachinformatiker in der Fachrichtung Anwendungsentwicklung, studiert derzeit Kognitive Informatik an der Uni Bielefeld und sucht sich seit gut sieben Jahren seine Wege durchs Netz. Die Bezeichnung (s)einer Person als "Computer- und Internetjunkie" sieht er durchweg positiv. Seit 2005 ist Patrick bekennender und überzeugter Mac-User und in einigen Aspekten wohl jemand, den man als Apple-Fanboy bezeichnen würde.

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