Kommentar: Das TV-Spiegelbild

Thomas Gottschalk gehört zu Wetten, dass …? und Wetten, dass ..? gehört zu Thomas Gottschalk. Eigentlich kenne ich das gar nicht anders. Seitdem ich diese ZDF-Show kenne, wird sie von Thomas Gottschalk moderiert. Ich muss sagen, dass ich inzwischen ein Fan von Wetten, dass ..? geworden bin — und auch ein Fan von Thomas Gottschalk. Diese Kombination passt einfach und ist (nicht nur) für mich das Highlight im deutschen Fernsehen.

Für mich macht es die Kombination aus allem: Die Wetten, die Musik- und Show-Acts, die Gäste, der Moderator. Bei aller Kritik an Moderator und Show, in zwei Dingen sind sich wohl alle einig: Thomas Gottschalk ist einer der besten Moderatoren und Entertainer im deutschen Fernsehen (wenn nicht sogar der Beste); wohl niemand kann Weltstars auf Augenhöhe begegnen wie ein Thomas Gottschalk. Er vereint alle Altersgruppen und hat für alles stets einen passenden Spruch parat. Er weiß mit Spontanität umzugehen und ist kein Teleprompter-Sklave.
Ja, Thomas Gottschalk ist gewiss eine Klasse für sich und nicht ersetzbar.

Wie sieht das nun mit Wetten, dass ..? an sich aus? In meinen Augen ist es alles andere als eine Schande, dass diese so oft als „TV-Dino“ bezeichnete Show auch nach 30 Jahren noch im deutschen Fernsehen zu sehen ist. Es gibt nur wenige TV-Shows, die da mithalten können — keine von diesen hat aber so an ihrem Basiskonzept festgehalten wie Wetten, dass ..? es seit 30 Jahren tut, von der Moderatorentreue ganz zu schweigen.

Das Spiegelbild von Technik und Gesellschaft

An Wetten, dass ..? (und natürlich auch an Thomas Gottschalk) lässt sich aber noch mehr „ablesen“: Der Wandel der Zeit, der technische und gesellschaftliche Fortschritt. In der 30-jährigen Showgeschichte ist eben viel passiert. Technikinteressierte Menschen, wie ich einer bin, können hier somit unter anderem die (Fernseh)technik im Wandel der Zeit sehen:

Nehmen wir uns das scheinbar banale Beispiel der Show-Opener. Diese haben sich in 30 Jahren ein Dutzend mal geändert. Schon zu Beginn wurde hier auf — für damalige Verhältnisse — aufwendige Animationen gesetzt. Im Laufe der Zeit wurde alles bunter, lebhafter — moderner eben.
Auch das Bühnenbild der Show hat sich einige Male verändert; ja, auch das Sofa wurde ausgetauscht. Und kann man sich eine Show dieser Größe heutzutage ohne Funkmikrofone und portablen Fernsehkameras vorstellen? Wohl kaum. Das Fernsehen ist flexibler geworden, an nichts wird das so deutlich wie an Wetten, dass ..?

Ein gutes Beispiel ist auch die Bestimmung des Wettkönigs, ein seit jeher elementarer Bestandteil dieser Show: Der Tele-Dialog, bekannt als TED, wurde durch Wetten, dass ..? so richtig bekannt und befand sich Anfang der 80er, als die erste Ausgabe dieser Show ausgestrahlt wurde, noch in Kinderschuhen. Anfangs wurde dieses System gar nicht eingesetzt (die Showgäste haben über den Wettkönig entschieden), im Laufe der Zeit hat das ZDF dieses System jedoch langsam eingeführt und heute ist es schlichtweg ein Teil von Wetten, dass ..?

Ja, Wetten, dass ..? ist ein großer Gewinn für das deutsche Fernsehen. Auch noch nach 30 Jahren — wahrscheinlich sogar gerade deshalb. Keine Frage: Diese Show hat die Fernsehwelt geprägt und ich hoffe, dass sie uns noch eine ganz Zeit erhalten bleibt. Auch wenn Wetten, dass ..? und Thomas Gottschalk die scheinbar perfekte Symbiose darstellen: Wenn hier eine Trennung stattfinden sollte (— und danach sieht es derzeit aus —), dann muss es mit beiden weitergehen.

Da ist es nur gut, dass es derzeit auch so aussieht, als wenn genau dies der Fall wäre: Wetten, dass ..? bleibt uns auch nach 30 Jahren noch erhalten, genau wie Thomas Gottschalk. Und das ist auch gut so.

Patrick Scheips

Patrick Scheips, Jahrgang 1990, Gründer dieser Webseite, ist ausgebildeter Fachinformatiker in der Fachrichtung Anwendungsentwicklung, studiert derzeit Kognitive Informatik an der Uni Bielefeld und sucht sich seit gut sieben Jahren seine Wege durchs Netz. Die Bezeichnung (s)einer Person als "Computer- und Internetjunkie" sieht er durchweg positiv. Seit 2005 ist Patrick bekennender und überzeugter Mac-User und in einigen Aspekten wohl jemand, den man als Apple-Fanboy bezeichnen würde.

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